Datenschutz & ADHS:
Den Fokus behalten im Dschungel der Einstellungen
Wer kennt es nicht?
Man installiert eine neue App, und plötzlich ploppen zehn Fenster auf: „Wir schätzen Ihre Privatsphäre“.
Für Menschen mit ADHS ist dieser Moment eine kognitive Zerreißprobe. Die schiere Menge an kleinteiligem Text und die unzähligen Schalter führen oft dazu, dass man entnervt auf „Alle akzeptieren“ klickt, nur um den Prozess schnell zu beenden.
Doch Datenschutz muss nicht anstrengend sein. Wenn wir verstehen, wie unser Gehirn auf diese Reize reagiert, können wir die Überforderung in Sicherheit verwandeln.
I. Die kognitive Hürde:
Warum Datenschutz bei ADHS stresst

Datenschutzerklärungen sind oft bewusst kompliziert gestaltet. In der Fachwelt nennt man das „Dark Patterns“ – Design-Tricks, die uns dazu verleiten sollen, mehr Daten preiszugeben, als wir wollen. Für ein ADHS-Gehirn, das Reize weniger stark filtert, wirken diese Seiten wie ein unüberwindbares Hindernis.
II. Strategien für Erwachsene:
Datenschutz-Hygiene mit System
Anstatt jedes Mal neu zu entscheiden, hilft ein systematischer Ansatz. Ziel ist es, die Anzahl der Entscheidungen pro Tag drastisch zu reduzieren.
- Das „Alles Ablehnen“-Mindset:
- Machen Sie es sich zur festen Gewohnheit, grundsätzlich nach dem Button „Nur notwendige Cookies“ oder „Alle ablehnen“ zu suchen. Diese Buttons sind oft farblich unauffällig gestaltet (grau statt blau), aber sie sind Ihre wichtigste Waffe gegen Datenspionage
- Betriebssystem-Ebene nutzen:
- Nutzen Sie die Macht der zentralen Einstellungen. In iOS und Android gibt es Menüs wie „Tracking“ oder „Datenschutz“. Hier können Sie Apps pauschal den Zugriff auf Kontakte, das Mikrofon oder den Standort entziehen.
- Der Vorteil: Sie müssen die App dafür gar nicht öffnen und werden nicht von bunten Bannern abgelenkt.
- Nutzen Sie die Macht der zentralen Einstellungen. In iOS und Android gibt es Menüs wie „Tracking“ oder „Datenschutz“. Hier können Sie Apps pauschal den Zugriff auf Kontakte, das Mikrofon oder den Standort entziehen.
- Digitale Helfer (Browser):
- Die Wahl des Browsers ist Ihre erste Verteidigungslinie. Browser wie Brave, Firefox oder Vivaldi blockieren Tracker oft schon in der Standardeinstellung. Wer den DuckDuckGo Browser nutzt, kann per „Fire Button“ alle Spuren einer Sitzung sofort löschen. Dies automatisiert den Schutz, sodass Ihr Gehirn keine aktive Entscheidung mehr treffen muss. (Details zu den verschiedenen Browsern folgen in einem separaten Artikel).
III. Fokus Jugendliche:
Datenschutz als „Algorithmus-Bremse“
Für Jugendliche mit ADHS steht oft der soziale Aspekt im Vordergrund. Datenschutz wird hier oft als „langweilig“ oder „einschränkend“ wahrgenommen. Der Schlüssel liegt im Verständnis der persönlichen Freiheit.

IV. Kinder begleiten:
Datenschutz als gemeinsames Abenteuer
Bei Kindern mit ADHS ist die Begleitung besonders kritisch, da sie auf bunte „Klick-Fallen“ und In-App-Käufe extrem schnell reagieren.
V. Die Filter-Strategie:
Systematische Datensparsamkeit
Um die tägliche Informationsflut bei Datenschutzanfragen zu bewältigen, ist ein strukturiertes Vorgehen notwendig.

Anstatt jede Anfrage individuell und zeitaufwendig zu bewerten, reduziert diese Strategie den Entscheidungsprozess auf drei klare Prüfschritte.
Dies entlastet die exekutiven Funktionen und stellt sicher, dass Sicherheitsentscheidungen auch unter Zeitdruck oder bei sinkender Konzentration fachlich korrekt getroffen werden.
- Optische Mustererkennung
- Anstatt den gesamten Text zu lesen, suchen Sie gezielt nach dem optisch schwächsten Element.
- Anbieter gestalten den Button zum Ablehnen oft farblos oder als schlichten Text-Link. Klicken Sie konsequent auf dieses unauffällige Element, um Tracking zu unterbinden.
- Anstatt den gesamten Text zu lesen, suchen Sie gezielt nach dem optisch schwächsten Element.
- Funktionaler Abgleich
- Prüfen Sie nur die fachliche Notwendigkeit. Benötigt die Anwendung diesen spezifischen Zugriff für ihre Kernaufgabe?
- Wenn ein Taschenrechner Zugriff auf Kontakte oder eine Spiele-App Zugriff auf den Standort fordert, lehnen Sie dies ohne weitere Prüfung ab.
- Prüfen Sie nur die fachliche Notwendigkeit. Benötigt die Anwendung diesen spezifischen Zugriff für ihre Kernaufgabe?
- Temporäre Freigabe
- Nutzen Sie bei Zugriffen auf Hardware wie Kamera oder Mikrofon ausschließlich die System-Option: „Nur dieses eine Mal erlauben“.
- Das Betriebssystem entzieht der App die Berechtigung automatisch nach dem Schließen. Dies verhindert dauerhafte Datenabflüsse durch vergessenes Deaktivieren.
- Nutzen Sie bei Zugriffen auf Hardware wie Kamera oder Mikrofon ausschließlich die System-Option: „Nur dieses eine Mal erlauben“.
